Historische Wissenschaft

Forschungsprojekte

Spielräume und Systemzwänge unternehmerischen Handelns.
Das Familienunternehmen Dr. Oetker im NS-Regime

Ziel des Projektes ist eine Unternehmensgeschichte der Firma Dr. August Oetker, Bielefeld, die in den politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Kontext der Zwischenkriegszeit, des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit eingebettet ist.


Der zeitliche Zuschnitt des Projekts wird also die politischen Zäsuren der Jahre 1933 und 1945 überschreiten, die die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Forschung seit langem relativiert. Das Forschungsprojekt fühlt sich dem Ziel einer „Unternehmensgeschichte in der Erweiterung“ (Manfred Pohl) verpflichtet.


In den Blick genommen werden deshalb einerseits die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Kontext bildeten für unternehmerisches und individuelles Handeln und Entscheiden. Andererseits war dieses Handeln und Entscheiden getragen von persönlichen Dispositionen, Mentalitäten und Prägungen, aus denen sich das unternehmerische Selbstbild der leitenden Unternehmerpersönlichkeiten speiste. Das zentrale Anliegen der Studie ist es, auf den genannten Ebenen Kontinuitäten und Diskontinuitäten zu untersuchen.


Dabei gilt es, besonders den Wechsel zur Kriegswirtschaft und den erneuten Wechsel von der fortgesetzten Mangelwirtschaft der Nachkriegszeit zur beginnenden Wirtschaftswunderzeit zu untersuchen. Wie reagierte das Familienunternehmen auf den mehrfachen fundamentalen Wandel der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen? Wie machte sich die Interdependenz von unternehmerischem Handeln, politischem System und sozioökonomischen Strukturen in der Branche bemerkbar? Im Zentrum der Forschungsdiskussion steht damit die seit geraumer Zeit umstrittene Gewichtung und das Zusammenspiel von Zwangsmaßnahmen des NS-Regimes einerseits und von Marktmechanismen, Anreizsystemen und unternehmerischem Kalkül andererseits.

Gesellschaft und Gewalt.
NS-Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges
Promotionsprojekt (abgeschlossen)

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer letzten Klimax nationalsozialistischer Gewalt. Das Spektrum der „Verbrechen der Endphase“ ist groß; die Taten sind strukturell heterogen und entziehen sich der einfachen Definitionen über Merkmale wie klar abgrenzbare Täter- und Opfergruppen oder Tatkontexte. Das Projekt subsumiert unter den Verbrechen der Endphase nicht nur solche Taten, die innerhalb eines Zeitraumes chronologisch zu verorten sind; vielmehr betont es die inhaltliche Einordnung in eine Phase des Chaos und des Zusammenbruchs und die Ausrichtung auf die sich abzeichnende Niederlage. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Vielzahl der über dreihundert Einzelfälle, die auf der Grundlage des zentralen Quellenbestandes – den Akten der Nachkriegsjustiz in BRD und DDR – dokumentiert werden. Vielmehr wird auf der Basis einer breiten Gesamtschau eine Einordnung der Gewalt in der Endphase in die Geschichte des NS-Regimes und der deutschen Gesellschaft angestrebt.


Dazu werden die systemischen Veränderungen des NS-Staates in der letzten Phase seiner Existenz in den Blick genommen, die spätestens seit 1942/43 die Antworten des Regimes und seiner Protagonisten auf die sich häufenden inneren und äußeren Krisen wiederspiegeln. Das nationalsozialistische Gesellschaftsmodell der „Volksgemeinschaft“ erweist sich dabei als zentral: Als Lehre aus der Niederlage von 1918 entstanden, galt es, die real angestrebte Utopie nicht der nivellierten, sondern der wehrhaften und militarisierten „Volksgemeinschaft“ umso radikaler durchzusetzen und zu schützen, je bedrohlicher die Lage sich entwickelte. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, warum trotz aller Auflösungs- und Zerfallserscheinungen das NS-Regime bis zuletzt zur Ausübung von Macht und Gewalt in der Lage blieb, auf welche Weise die Voraussetzungen und Spielräume der Gewalt geschaffen und wie diese legitimiert und eingefordert wurde. Gewalt wird als zentraler stabilisierender Faktor des NS-Regimes und als ein eines der letzten wirksamen Mittel von Kommunikation und Propaganda verstanden, die dem Regime zuletzt noch zur Verfügung standen. Gleichzeitig werden die Verbrechen als individuelle Gewalttaten mit ihren Akteuren in den Blick genommen. Das gesellschaftliche Umfeld der Endphasenverbrechen wird als eine uneindeutige Phase des Übergangs aufgefasst, in der unterschiedliche Gegenwartsinterpretationen und Zukunftserwartungen aufeinandertrafen. Die daraus resultierenden Spannungen entluden sich vielfach in der Gewalt, die die letzten Wochen und Monate des NS-Regimes kennzeichnete.


Doktorvater: Prof. Dr. Andreas Wirsching, Zweitbetreuer: Prof. Dr. Ludwig Eiber
Universität Augsburg, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte.
Gefördert durch ein Stipendium der bischöflichen Studienstiftung Cusanuswerk.


Veröffentlichungen

Monographie

Herausgeberschaft

  • Vom Recht zur Geschichte (zusammen mit Jürgen Finger und Andreas Wirsching). Akten aus NS-Prozessen als Quellen der Zeitgeschichte, Göttingen 2009.

Aufsätze

Mitarbeit

Rezensionen folgender Titel:

Vorträge, Konferenzbeiträge, Miszellen (Auswahl)




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Zuletzt geändert: 01.01.1970




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