Lange Zeit fanden die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen hauptsächlich jenseits der Reichsgrenzen oder dem direkten Blick entzogen hinter Gefängnisgittern, Lagertoren oder Anstaltsmauern statt. Die Endphasenverbrechen als die letzte Eskalation dieser Gewaltverbrechen spielten sich im Gegensatz dazu im Reich selbst ab, nicht selten ganz offen und vor aller Augen. Zwar waren auch weiterhin diejenigen, die außerhalb oder auch nur am Rande der sich mehr und mehr auflösenden "Volksgemeinschaft" standen, am gefährdetsten: Häftlinge in den Gefängnissen und Lagern des NS-Terrorsystems, Fremdarbeiter und bekannte Gegner des NS-Regimes. Doch immer häufiger gehörten selbst Angehörige der Personengruppen und -verbände zu den Opfern, denen auch die Täter entstammten. Trotz und angesichts der unausweichlichen Niederlage nahm der Durchhalteterror des Regimes immer radikalere Formen an; er richtete sich gegen das eigene, kriegsmüde Volk nicht weniger als gegen die erschöpften Soldaten der Wehrmacht.
Das Dissertationsprojekt fragt deshalb nach den Opfern dieser letzten Welle der Gewalt ebenso wie nach den Tätern und ihren Motiven, nach lokalen und regionalen Schwerpunkten und nach der Rolle äußerer Faktoren. Im Vordergrund steht jedoch die Frage, welche Auswirkungen die Konfrontation mit dieser Gewalt auf die Kriegsgesellschaft und die entstehende "Trümmergesellschaft" hatte.
Universität Augsburg: Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte.
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Zuletzt geändert:
01.08.2009